Hellste-Koepfe. Ultraschall.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Ultraschall

von PD Dr. Diane Renz, 1.10.2015

Die AGUS (Arbeitsgemeinschaft Ultraschall) ist eine der jüngsten Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Röntgengesellschaft; gegründet wurde sie im Jahre 2013 auf dem Deutschen Röntgenkongress in Hamburg. Welche Beweggründe steckten hinter der Gründung der AGUS? Was sind die wichtigsten Ziele dieser neuen Arbeitsgemeinschaft? Und welchen Stellenwert nimmt aktuell die Sonografie in der täglichen radiologischen Diagnostik ein? PD Dr. Diane Renz (Universitätsklinikum Jena) sprach mit dem Vorsitzenden der AGUS, Prof. Dr. Christian Stroszczynski (Direktor des Institutes für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Regensburg), unter anderem darüber, wie zeitgemäß und innovativ Ultraschall ist.

 

Herr Professor Stroszczynski, Sie sind einer der Gründer der AGUS und der erste Vorsitzende dieser jungen Arbeitsgemeinschaft. Warum wurde die AGUS gegründet?

Unsere Hauptmotivation war es, die Sonografie stärker in der täglichen Diagnostischen und Interventionellen Radiologie einzubinden. Dafür möchten wir mit der AGUS die Rahmenbedingungen in Form einer Art Ultraschall-Dachorganisation unter der Schirmherrschaft der Deutschen Röntgengesellschaft schaffen. Verglichen mit anderen Bildgebungsverfahren, etwa der Magnetresonanztomografie, hat die Ultraschalldiagnostik in den letzten Jahren leider in der radiologischen Aus- und Weiterbildung insgesamt an Bedeutung und Interesse verloren. Und das trotz der zahlreichen technischen Innovationen auf diesem Gebiet.

Welche technischen Innovationen sind das?

Eine zukunftsweisende Innovation mit viel Potenzial stellt die Kontrastmittelsonografie dar; der Einsatz von Ultraschallkontrastmitteln beispielsweise zur Darstellung der Durchblutung oder Mikrozirkulation eines Befundes eröffnet viele diagnostische Möglichkeiten. Die Anfänge der Kontrastmittelsonografie stammen aus der Echokardiografie vor mehr als 20 Jahren; aktuell ist eines ihrer wichtigsten Anwendungsgebiete die Detektion und Charakterisierung von Leberläsionen. Es kommen jedoch ständig neue Indikationen hinzu, da die Ultraschallkontrastmittel ubiquitär anwendbar sind und kaum Kontraindikationen und Nebenwirkungen aufweisen. Im Gegensatz zu der Computertomografie oder Magnetresonanztomografie kann die Kontrastmitteldynamik in der Sonografie kontinuierlich – „real time“ – erfasst werden. Aktuell werden jedoch bis zu 95% aller Kontrastmittelsonografien nicht von Radiologen, sondern von Kolleginnen und Kollegen anderer Fachrichtungen durchgeführt. Hier möchten wir als AGUS entgegenwirken und den kontrastmittelgestützten Ultraschall – inklusive auch seiner vielen Forschungsoptionen – explizit in der Radiologie stärken. Dazu dienen wir als Ansprechpartner, Forschungsmitinitiator und sind in Workshops und Veranstaltungen zu dem Thema aktiv beteiligt.

Welche weiteren technischen Neuerungen in der Sonografie gibt es?

Von Hardwareseite werden die Ultraschallsonden immer hochaufgelöster, mittlerweile gibt es Schallköpfe mit einer Frequenz von mehr als 20 MHz, welche winzige oberflächliche Strukturen detailliert abbilden können. Die Ultraschallgeräte werden kleiner, handlicher, wobei die ersten Geräte in Tablet-Format auf dem Markt sind und bereits im Rettungsdienst zum Einsatz kommen. Zudem verfügen die aktuellen Geräte über sich stets weiterentwickelnde technische Features. Dazu zählen die Ultraschallelastografie, welche die Eigenschaften des untersuchten Gewebes anhand der Berechnung ihrer Elastizität spezifiziert, und die Gefäßultraschalldiagnostik mittels Doppler-/ Duplexsonografie. Technische Neuerungen führen auch zu Verbesserungen während der Interventionsplanung und –durchführung, etwa durch kabellose Ultraschallsonden oder weiter optimierte Navigationstechniken. Nicht zu vergessen sind die Möglichkeiten der Bildfusion von Ultraschallaufnahmen mit CT- oder MRT-Untersuchungen, so dass interventionelle Eingriffe noch präziser durchgeführt werden können. Bei dem Thema Bildfusion sind gerade auch Radiologen gefragt, da sie mit der Betreibung und Nutzung eines PACS (Anmerkung: „Picture Archiving and Communication System“)-Systems die entsprechenden technischen Voraussetzungen für eine effiziente Bilddatenspeicherung bereithalten.

Neben der Mitbeteiligung an der technischen Weiterentwicklung des Ultraschalls welche weiteren Aufgaben verfolgt die AGUS?

Wir sehen uns vor allem als eine Art Bindeglied; zum einen streben wir eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten anderer Fachrichtungen an, bei denen der Ultraschall ein fester Bestandteil ihrer klinischen Tätigkeit ist. Hier ist vor allem auch ein enger Kontakt der AGUS zur Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, der DEGUM, zu nennen. Zum anderen sehen wir uns innerhalb der Deutschen Röntgengesellschaft als Bindeglied zu den anderen Arbeitsgemeinschaften, bei denen die Sonografie ein wesentlicher Bestandteil ist, etwa bei der AG Gastrointestinal-/ Abdominaldiagnostik. Zudem beteiligen wir uns an der Ausbildung des radiologischen Nachwuchses, etwa durch die Mitwirkung an „Sono4You“-Kursen. Diese praktischen, speziell auf die Bedürfnisse von Medizinstudierenden ausgerichteten Hands-on-Schallkurse werden seit dem Jahre 2014 im Rahmen des Hellste-Köpfe-Programms auf dem Deutschen Röntgenkongress angeboten und erfreuen sich großer Beliebtheit. Das studentische Interesse an der Sonografie ist generell riesig. Wir als AGUS möchten, dass die Radiologen weiterhin aktiv an der sonografischen Ausbildung der Studierenden im medizinischen Curriculum teilnehmen.

Auf dem Deutschen Röntgenkongress 2016 wird die Sonografie ein Schwerpunktthema darstellen. Damit viel Arbeit für die AGUS, oder?

In der Tat, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Anhand von Vorträgen, Workshops und praktischen Hands-on-Kursen werden wir sonografische Fortbildung anbieten. Wir möchten den Röntgenkongress nutzen, möglichst viele Radiologen für die Sonografie zu begeistern. Gerade Radiologen kennen den Benefit, aber auch die Grenzen der einzelnen bildgebenden Verfahren und können dadurch vermutlich besser als manch anderer klinischer Kollege abschätzen, wann ein Ultraschall ohne oder mit Kontrastmittel sinnvoll ist und wann eine andere Bildgebung bei dieser Fragestellung vorzuziehen ist. Zudem kennen sich Radiologen durch CT- und MRT-Untersuchungen mit Kontrastmittelkinetik und Perfusionstechniken aus und können so ihr Know-how effektiv auf die Ultraschalldiagnostik übertragen.

Sie haben die Vorteile von Radiologen gegenüber anderen klinischen Kollegen beschrieben, die durchaus auch sonografische Untersuchungen auf hohem Niveau durchführen. Hand aufs Herz. Was können Radiologen vielleicht von den klinischen Partnern lernen?

Wir können lernen, dass wir als klinische Radiologen besser sind als reine so genannte „Befunder“ oder „sekundäre Dienstleister“. Insgesamt sehen wir uns nicht als Konkurrenten zu den klinischen Partnern, sondern möchten gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen anderer ärztlicher Fachrichtungen die Sonografie in Forschung und Routine vorantreiben und ihren Stellenwert in der klinischen Diagnostik festigen, und dazu die technischen Innovationen möglichst effektiv nutzen. 

Herr Professor Stroszczynski, vielen Dank für das Interview!

 

Weitere Infos auf der AG-Homepage: http://www.ag-ultraschall.drg.de/

Kontrastmittelgestützte Ultraschalluntersuchungen:

Alle Aufnahmen stammen aus dem Universitätsklinikum Jena, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie/ Sektion Kinderradiologie

Abb. 1-3: Typisches Bild eines Leberhämangioms: In der nativen Ultraschalldiagnostik stellt sich das Hämangiom echoreich dar, mit Nachweis von Gefäßen im Randbereich mittels Colordoppler. Nach intravenöser (i.v.) Applikation des Ultraschallkontrastmittels SonoVue® (Bracco Imaging) zeigt das Leberhämangiom eine charakteristische Kontrastmittelanreicherung von peripher nach zentral im dynamischen Verlauf (links Kontrastmittel-Aufnahmen 20 und 48 sec nach Kontrastmittelgabe, rechts die korrespondierenden B-Bilder).

Abb. 4-5: Charakteristische Darstellung einer Zyste: Im B-Bild stellt sich die Milzzyste echofrei mit angedeuteter dorsaler Schallverstärkung dar. Nach i.v. Kontrastmittelapplikation weist die Zyste im gesamten dynamischen Verlauf keine Kontrastmittelaufnahme auf.

Abb. 6-7: Miktionsurosonographie: Über einen Harnblasenkatheter Applikation von 1 ml SonoVue® mit anschließendem Auffüllen der Harnblase mittels 0,9%iger NaCl-Lösung. Die Aufnahmen zeigen einen ausgeprägten vesikoureteralen Reflux (VUR) über den linken Ureter in das linke Nierenbecken. Das linke Nierenbecken und die Kelche weisen eine Dilatation und eine Verplumpung auf, der linke Ureter zeigt einen deutlich geschlängelten Verlauf.

Prof. Dr. Christian Stroszczynski (Direktor des Institutes für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums Regensburg)

 

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