Hellste-Koepfe. Im Portrait: Prof. Dr. Norbert Hosten .
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Im Portrait: Prof. Dr. Norbert Hosten

von Anne-Katrin Hennig, 13.01.2014

Prof. Dr. Norbert HostenProf. Dr. Norbert Hosten, geboren 1957 in Düsseldorf, ist Direktor des Instituts für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie an der Universitätsmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Seit Juni 2013 ist er der Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft. Dorthin gebracht hat ihn nicht zuletzt seine große Begeisterung für neue technische Errungenschaften und ein Gespür für den Geist der Zeit.


Norbert Hosten ist keiner, der laut wird. Nur wenn es nötig ist, erhebt er die Stimme. Und dann fragt man sich, wie hat es ein so zurückhaltender Mann auf den höchsten Chefposten geschafft? Hosten ist Radiologe, Professor, Institutsleiter und als Präsident nun auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Röntgengesellschaft. Das wird man nicht im Handumdrehen und erst recht nicht, wenn man bescheiden durchs Leben geht. Er erklärt es: Der Chef sitzt vorne mittig, und wenn man nach oben will, muss man sich den Weg selbst ebnen. Er sagt, es gibt zwei Arten von Menschen: die Narzissten und die mit den analytischen Fähigkeiten, also die Darsteller und die Abstrahierer. Wenn man ein Darsteller ist, muss man sich auf das Analysieren konzentrieren – und als Analytiker muss man lernen, sich darzustellen. Was von beidem ist er? Er lässt es offen. Und das ist das Angenehme. Schubladendenken liegt ihm nicht.

Vom Rhein an die Spree: Weltoffen macht ihn nicht nur der Umzug nach Berlin, wo er 1980 das Medizinstudium an der Freien Universität beginnt. Bereits zu Schulzeiten entdeckt und fördert er ganz allein seine Begeisterung für die Naturwissenschaft, indem er regelmäßig die Bibliothek des British Council in Düsseldorf aufsucht, um die angelsächsische Welt kennenzulernen und „Das neue Universum“ zu verschlingen. Die 1960er sind geprägt von technischem Fortschritt, vor allem in der Raumfahrt. „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen und ein riesiger Sprung für die Menschheit“, spricht Neil Armstrong 1969 und bewegt die ganze Welt und mit ihr auch Norbert Hosten. Begeistert und angefacht von den Errungenschaften in dieser technikfreundlichen und wissenschaftsorientierten Zeit saugt er alles auf, was seinen Technikhunger stillen kann.

Während des Studiums fällt seine Schwerpunktwahl auf das Fach der Radiologie. Fasziniert kommt er während des Studiums zum ersten Magnetresonanztomografen, der in West-Berlin zur Verfügung steht. Schon wieder Begeisterung. Und genau die bringt ihn weiter. Manchmal lenkt ihn aber auch der Zufall: Als er am Anfang seiner Berufstätigkeit am MR arbeitet, forscht er über die Bildgebung des Auges. Später hat in Berlin der Augentumor-Spezialist Michael Förster einen Lehrstuhl für Ophthalmologie inne und schickt alle seine Patienten mit Augentumoren zu Hosten ins MRT. Die bahnbrechende Methode des Protonenbeschleunigers am Hahn-Meitner-Institut, mit dem Professor Förster die Augen seiner Patienten anschließend erfolgreich bestrahlt, fasziniert ihn und führt dazu, dass Hosten sich auf die Bildgebung des Auges spezialisiert.

Die Erfinder des MRT, Professor Paul Christian Lauterbur, und des CT, Sir Godfrey Newbold Hounsfield, sind zu Beginn seines Arbeitslebens noch auf den Kongressen präsent – beide beeindrucken ihn. Diese Menschen hatten eine Aura, wie sie nur bei solchen zu finden ist, die etwas Wegweisendes erfunden haben. Sie haben ihn fürs Leben geprägt, sagt Hosten. Das tun auch die Patienten, die ihm als Stationsarzt in Berlin begegnen. Im Rahmen seiner Tätigkeit lernt er viele Patienten mit der nur schwer oder gar nicht heilbaren Basedowschen Krankheit kennen. Als er einem Patienten mit besonders stark hervortretenden Augen begegnet, reagiert er erschrocken. Darauf nimmt der Patient ihm den Schock und beruhigt: „Ach wissen Sie, in der Praxis, in der ich  behandelt wurde, gibt’s noch viel, viel schlimmere Fälle.“ Die Zeit in Berlin  ist eine prägende und lehrreiche Zeit für den jungen Arzt; hier lernt er viel über künstliche Linsen, vertieft seinen Schwerpunkt und schreibt schließlich ein Lehrbuch, das folgenden Generationen von Assistenzärzten später nur noch als „der Hosten“ bekannt sein wird.

1999 folgt die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor der Humboldt Universität und schließlich der Ruf an die Universität Greifswald im Jahr 2001. In dieser Zeit ist Aufbauarbeit in der Radiologie gefragt. Es gibt viel zu tun, um das Fach in Greifswald nach vorne zu bringen.

Genau das sei es,  was er auch als Präsident der DRG gerade lerne, nur noch einmal auf einer neuen Ebene: Das Fach ist groß, alle sollen einbezogen werden, nicht nur die Universitätsradiologen; denn  eigentlich sind es die niedergelassenen Radiologen, die das Fach in die Breite der Patientenversorgung bringen. Norbert Hosten möchte alle ins Boot holen – und drin behalten. Jetzt ist er an der Reihe zu begeistern und mitzureißen, alle mitzunehmen,  Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Ideen voranzubringen. Er nennt ein Beispiel: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für ihn ist das keine politische Floskel, sondern ein wichtiges Ziel, das aus der Schublade herausgezogen gehört.

ZUR PERSON:

1957 in Düsseldorf geboren
1980-1986 Studium der Humanmedizin an der Freien Universität Berlin
1986 Approbation als Arzt
1987 Promotion zum Dr. med
1987-1992 Facharztausbildung Arzt für Radiologie am Klinikum Westend der Freien Universität bzw. am Virchow Klinikum der Freien Universität Berlin
1992 Arzt für Radiologie
1993-1994 Oberarzt des Klinikum Rudolf Virchow der Freien Universität Berlin
1994 - 2000  Leitender Oberarzt der Strahlenklinik und Poliklinik
1994 Habilitation und Venia legendi für das Fach Radiologie
1999 Ernennung zum apl Professor der Humboldt Universität Berlin
2001 Ruf auf den Lehrstuhl für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universität Greifswald
2013 - 2015 Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft


Hauptwerk: Norbert Hosten (1995), unter Mitarbeit von Norbert Anders und Klaus Neumann: Auge und Orbita. Radiologische Differentialdiagnostik. Thieme. Stuttgart 


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Veranstaltungshinweis:

Am 4. Februar 2014, 19:30 - 20:15 Uhr, hält Professor Norbert Hosten im Rahmen der Reihe "Akademie Online" einen Vortrag zum Thema "MRT der Orbita". Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Registrierung finden Sie >hier

 

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