Hellste-Koepfe. Das war Philadelphia.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Das war Philadelphia Mein Auslandsaufenthalt am Children’s Hospital of Philadelphia

von Dr. André Lollert, Mainz

Erfahrungen in der Kinderradiologie eines überregionalen Zentrums in den USA sammeln – diese Möglichkeit suchte ich im Frühjahr 2014 und wurde am Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP) fündig. Die größte Kinderklinik im Nordosten der Vereinigten Staaten ist – gegründet 1855 – nicht nur die erste reine Kinderklinik der USA, sie wird auch regelmäßig zu den besten Kinderkliniken des Landes gewählt. Zuletzt teilte sie sich den ersten Platz der „U.S. News & World Report’s 2014-15 Honor Roll of the nation’s Best Children’s Hospitals“ mit einigen anderen renommierten Kliniken.

Eingang des Children’s Hospital of Philadelphia

Internationale Austauschprogramme am CHOP

Für internationale Ärzte bestehen am CHOP mehrere Möglichkeiten, an einem Austauschprogramm teilzunehmen, abhängig von der Länge des gewünschten Aufenthaltes. Im „Visitor“ Programm ist ein Kurzaufenthalt bis zu sieben Tagen möglich, ein „International Obervership“ umfasst eine Zeit zwischen zwei und acht Wochen und für längere Aufenthalte bis zu einem Jahr kann ein „International Scholarship“ beantragt werden. Ich erhielt seitens meiner Klinik eine Freistellung für zwei Wochen, daher entschied ich mich für ein „International Observership“. Um diese Möglichkeit zu erhalten, mussten einige Formalitäten erledigt, viele Formulare ausgefüllt, eingesendet und eine angemessene Ausbildungsvergütung überwiesen werden. Letztendlich erhielt ich einen Platz in der Kinderadiologie für die Zeit vom 03. bis 14. November 2014.

Reisestipendium über die DRG / Einreise und Visum

Ein Reisestipendium der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG), sowie die Unterstützung durch meine deutsche Arbeitsstätte, die Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universitätsmedizin Mainz – insbesondere durch die Leiterin der Kinderradiologie Frau Professor Gundula Staatz, ermöglichte es mir, den Aufenthalt im November 2014 anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich im Rahmen meiner Weiterbildung bereits ein Jahr in der Sektion Kinderradiologie unserer Klinik verbracht, sodass bereits eine gute Wissensbasis gegeben war, auf der sich in Philadelphia aufbauen ließ. Die Einreise in die USA war unkompliziert, nach Anmeldung über das ESTA-Programm ist für Aufenthalte bis zu drei Monaten kein Visum erforderlich.

Kinderradiologie am CHOP

Die Radiologie am CHOP ist selbst mit einer großen deutschen universitären Kinderradiologie kaum zu vergleichen. Aktuell sorgen neben dem Chefarzt Professor Diego Jaramillo insgesamt 29 Oberärzte für eine kontinuierliche Ausbildung der Weiterbildungsassistenten. Es werden die Schwerpunkte „Allgemeine Pädiatrische Radiologie“, „Pädiatrische Neuroradiologie“, „Interventionelle Pädiatrische Radiologie“ und „Pädiatrische Nuklearmedizin“ abgedeckt. Meinen Aufenthalt verbrachte ich aus Zeitgründen ausschließlich in der allgemeinen pädiatrischen Radiologie unter Anleitung von Professor Kassa Darge, den ich bereits auf verschiedenen europäischen Kongressen kennengelernt hatte, und dem ich auf diesem Wege auch nochmals für seine Unterstützung danken möchte.

Die Kinderradiologie in Philadelphia verfügt über modernste Ausstattung im Bereich aller Modalitäten. Ich verbrachte einen Großteil meines Aufenthaltes im MRT-Bereich, wo ich in kurzer Zeit sehr viele, auch seltene Krankheitsbilder näher kennenlernen konnte. Insbesondere konnte ich sehr gute Einblicke in die – viel häufiger als in Deutschland durchgeführte – fetale MR-Bildgebung erhalten. Auch im Bereich Ultraschall, welcher im Gegensatz zum deutschen System nicht von Ärzten, sondern von speziell ausgebildeten „Sonographern“ durchgeführt wird, konnte ich Bekanntes wiederholen, Neues lernen und insbesondere die beiden Systeme miteinander vergleichen. Großen Wert wurde am CHOP auf die Ausbildung der Weiterbildungsassistenten gelegt. So war in jeder Bildmodalität den ganzen Tag ein Oberarzt für maximal zwei Assistenten zuständig und jeder Fall wurde intensiv diskutiert. Zusätzlich fanden mindestens zweimal, oft auch dreimal am Tag Fortbildungsveranstaltungen für die Assistenzärzte statt. Insgesamt war man als „Observer“ sehr flexibel, was die Wahl seines Arbeitsplatzes für die einzelnen Tage anging, die Oberärzte waren durchgehend sehr offen.

Forschung in der Radiologie am CHOP

Auch für Jungwissenschaftler bietet das CHOP gute Möglichkeiten. Forschungsschwerpunkte in der Radiologie sind beispielsweise moderne MRT-Verfahren wie dynamische MR-Urographie oder die Anwendung von DTI (diffusion tensor imaging) an verschiedenen Organsystemen. Fach- und Oberärzte erhalten Forschungszeiten zur freien Verfügung, auch die erfahrenen Assistenten sind auf Wunsch eingebunden. Bei längerem Aufenthalt als Observer sind Forschungs- und Kooperationsprojekte ebenfalls möglich.

Philadelphia und der Nordosten der USA

Leider war es mir aufgrund der Kürze der Zeit nicht möglich, größere Sightseeing-Touren durch den Nordosten zu unternehmen, dennoch konnte ich einige Eindrücke erhalten. Mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern ist Philadelphia die fünftgrößte Stadt der USA und von Frankfurt per Direktflug zu erreichen. Im Zentrum von Philadelphia befindet sich der „Independence National Historical Park“, ein Stadtviertel rund um „Independence Hall“ und „Liberty Bell“, der Geburtsort der (modernen) Vereinigten Staaten.

Die Stadt hat einige interessante Museen zu bieten, unter anderem das Mütter-Museum mit seiner großen Ausstellung von anatomischen Präparaten. New York City und Washington D.C. sind per Zug oder Bus in jeweils etwa zwei Stunden zu erreichen. Ich besuchte an einem Samstag Washington mit seinen weitläufigen Parkanlagen, Memorials und den bekannten Museen rund um die „Mall“.

Fazit

Der Aufenthalt in Philadelphia war für mich eine unvergessliche Erfahrung, von der ich beruflich insbesondere im Hinblick auf Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten der amerikanischen und deutschen Kinderradiologie, insbesondere auf dem Gebiet der MR-Bildgebung, aber auch persönlich großen Nutzen ziehen konnte.

 

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