Hellste-Koepfe. Ohne Visionen geht es nicht – Radiologie in der Niederlassung.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Interview

Ohne Visionen geht es nicht – Radiologie in der Niederlassung Radiologische Praxen sind mittelständische Unternehmen, die dem Praxisarzt Risikobereitschaft abverlangen, aber auch viel Gestaltungsraum geben. Ein Gespräch mit Frau PD Dr. med. Karina Hofmann- Preiß, Fachärztin für Radiologie und niedergelassene Radiologin einer großen Gemeinschaftspraxis in Erlangen.

Frau Dr. Hofmann-Preiß, wie sind Sie zur ambulanten Radiologie gekommen?
Meine Geschichte ist eigentlich nicht typisch für die Niederlassung. Ich war 15 Jahre an der Universitätsklinik in Erlangen, habe mich hier habilitiert zu einem Zeitpunkt, als es dort noch kein Ordinariat für Radiologie gab. Als das Ordinariat kam, habe ich überlegt, was es für mich noch an Möglichkeiten gibt.

PD Dr. Karina Hofmann-PreißIch habe mich dann sehr intensiv mit Kliniken auseinandergesetzt, habe auch an diversen Stellen Chefarztposten angeboten bekommen, dann aber im Gespräch mit den Verwaltungsleitern festgestellt, dass man an diesen Kliniken die Radiologie nur als Kostenfaktor wahrgenommen hat. Einsparen war in vielen Häusern wichtiger als in innovative Technologien zu investieren.

Zu diesem Zeitpunkt - 1993 - erhielt ich das Angebot von Kollegen, in eine Praxis in Erlangen einzusteigen. Dort habe ich gesehen, dass man durchaus aus eigener Kraft innovative Technologie schaffen und Radiologie mit dem Anspruch betreiben kann, den ich an das Fach habe. Ständig als Kostenfaktor betrachtet zu werden, ist nicht mein Ding. In dieser Praxis bekam ich die Chance, in einem großen Konstrukt zu arbeiten, das alle Möglichkeiten - vom konventionellen Röntgen über Ultraschall bis hin zur Mammografie, CT, MRT und Nuklearmedizin - geboten hat. Genau das hat mich interessiert.

Ist die gemeinschaftliche Gründung von Praxen für die Radiologie typisch?
Als ich mich niederließ, war das etwas Besonderes. Da gab es noch viele Einzelpraxen. Heute erachte ich die Gemeinschaftspraxis als die einzige Möglichkeit, allein schon deshalb, weil die Investitionen doch sehr groß sind. Wenn man sowohl fachlich als auch wirtschaftlich etwas Vernünftiges tun will, kann man dies nur mit einer größeren Gruppe von Partnern tun.

Wie verläuft der "übliche" Weg in die Niederlassung?
Wenn ich mir die Kollegen anschaue, die bei uns in der Praxis einsteigen, dann haben die meisten von ihnen ein, zwei Jahre eine Oberarztposition in der Klinik bekleidet und sich in dieser Zeit orientiert, in welche Richtung sie gehen wollen. Auch da wird immer mit der Option gespielt, an einer Klinik weiter zu praktizieren, aber zumindest den letzten jungen Kollegen, der bei uns eingestiegen ist, kennen wir seit seinem Studium. Er hat bei uns seinen Facharzt gemacht, ist darauf an große Kliniken gegangen und hat sich dann entschlossen, bei uns in der Praxis mitzumachen. Fast alle großen Praxen sind in der Facharzt- Weiterbildung tätig und rekrutieren aus diesem Pool ihre späteren Partner.

Gibt es den Kostendruck, der Ihnen in den Kliniken so übel aufgestoßen ist, nicht auch in der Niederlassung?
Natürlich, aber der Druck ist ein anderer als in der Klinik. Denn hier habe ich auch die Freiheit, ein Arbeitsumfeld selbst zu schaffen und zu gestalten. Wenn wir in unserer Gruppe entscheiden, dass wir ein bestimmtes Gerät anschaffen möchten, dann prüfen wir unsere fi nanziellen Möglichkeiten. Und wenn es sich rechnet, dann tun wir das. Im Krankenhaus wird mir diese Entscheidung abgenommen. In der Praxis trage ich die Entscheidung mit vollem Risiko. Ohne eine gewisse Risikofreude geht das nicht. Aber: Ohne Visionen wird man eine radiologische Praxis nicht betreiben können.

Ist die Entscheidung für die Niederlassung endgültig?
Niederlassung und Engagement am Krankenhaus müssen sich nicht zwangsläufi g ausschließen. Es ist heute kein Gegensatz mehr zu sagen, ich bin niedergelassen oder ich bin am Krankenhaus. Sehr viele Radiologien haben heute die Möglichkeit, beide Teile durch Niederlassungen an Krankenhäusern für sich abzudecken.

Welche Möglichkeiten der Spezialisierungen gibt es im ambulanten Bereich?
Eine der typischen Facetten ist das Mammascreening. Dort haben wir hochspezialisierte Leute, die ein Training absolvieren wie kaum ein anderer Facharzt in Deutschland. Bei uns in der Praxis haben wir neun Fachärzte, die sich Spezialwissen in fünf Arbeitsbereichen angeeignet haben. Das ist die Mammografie, der Bereich muskuloskelettale Radiologie, Herz- und Thoraxradiologie, Interventionelle Radiologie und schließlich die Diagnostik im Bereich des Abdomens. Eine Erweiterung um den Bereich Neuroradiologie können wir uns vorstellen. Generell gilt: Wenn man sich heute niederlässt, würde ich empfehlen, dies in großen Konstrukten zu tun und nicht als Einzelkämpfer irgendwo alleine.


Blick in den Untersuchungsraum der Praxis von Frau Dr. Hofmann-Preiß


Team-Work Radiologie - die Mitarbeiter einer radiologischen Gemeinschaftspraxis