Hellste-Koepfe. Notfallradiologie – Kommunikation ist alles.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Interview

Notfallradiologie – Kommunikation ist alles
Notfälle haben Dr. med. Ulrich Linsenmaier schon immer interessiert, seine ersten Erfahrungen nach dem Studium sammelte er daher in einem reinen Unfallkrankenhaus. Im Interview erklärt der Radiologe, wie der Einsatz der Bildgebung die Notfallmedizin bestimmt und was ein Notfallradiologe können muss.

Was zeichnet einen guten Notfallradiologen aus?
Er braucht zunächst substantielles klinisches Backgroundwissen; er muss wissen, was die kritischen Parameter der Erkrankungen sind, die er da vor sich hat. Er muss ein guter Kommunikator sein und gut vernetzt in der Klinik, um an gemeinsamen Therapie-Entscheidungen partizipieren zu können. Und ganz wichtig: Der Notfallradiologe muss bei seiner eigenen Diagnose wissen, welche Konsequenzen das für den Patienten hat.

Heißt das, der Notfallradiologe macht Therapievorschläge?
Ja, und im Idealfall tut er das organbezogen und im Team mit den klinischen Weiterbehandlern.

PD Dr. Ulrich Linsenmaier, MünchenWas ist Ihr hauptsächliches Arbeitsgerät?
Die Multislice-CT. Sie hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verbessert und steht ganz oben in der klinischen Evaluation von Notfallpatienten. Wir nutzen die CT als Ergänzung zur Erstuntersuchung im Schockraum. Unser Ziel ist es, die komplette CT-Diagnostik in den ersten dreißig Minuten nach Aufnahme des Patienten abzuschließen. Das hat mehrere Gründe. Wir haben gesehen, dass das Überleben der Patienten abhängig ist von der frühzeitigen Diagnose, und wir wissen auch, dass die umfassende CT-Diagnostik einen positiven Einfl uss auf das Überleben der Patienten hat.

Gibt es hierzu Zahlen?
Wer als Schwerverletzter (Polytrauma) frühzeitig am ganzen Körper in der CT untersucht wurde, hat statistisch betrachtet eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als der Patient, der nur teilweise oder später im CT untersucht wurde. Das zeigen Studien mit über 6000 Patienten. Bedingung für die höhere Überlebensrate ist: Man muss frühzeitig zu einer vollständigen und umfassenden Diagnose kommen, und das schafft man nur durch den Einsatz der CT. Die Ganzkörper-CT hat den klaren Vorteil, dass wir weniger Verletzungen übersehen.

Besteht die Gefahr, dass der Behandlungsbeginn verzögert wird?
Die radiologische Diagnostik muss in den klinischen Ablauf integriert sein. Das CT muss nahe an der Notaufnahme und dem Schockraum stehen, damit man keine Zeit verliert. Und man braucht einen standardisierten Ablauf. Die dreißig Minuten, von denen ich sprach, bedeuten eine Halbierung der Untersuchungszeit innerhalb der letzten zehn Jahre.

Wie geht es weiter, wenn der Patient radiologisch diagnostiziert ist?
Wir besprechen die Ergebnisse unmittelbar nach der Befundung in Bezug auf relevante Verletzungsmuster und erstellen dann im nächsten Schritt eine Entscheidung über das weitere therapeutische Vorgehen – am besten direkt mit den klinischen Kollegen an der Befund-Konsole des CT-Geräts.

Ist ihr Tagesablauf hektischer als der Ihrer radiologischen Kollegen?
Ja, er ist weniger planbar. Wir kümmern uns um die Patienten, die die Notfallärzte hier in München im Laufe des Tages einliefern. Und das ist nicht wenig, denn nach interner und externer Qualitätssicherung liegen wir deutschlandweit seit Jahren unter den Top-3 der deutschen Unfallkrankenhäuser.

Notfallradiologie

Die Notfallradiologie leitet sich von der amerikanischen Emergency Radiology ab. In den USA ist die Notfallradiologie bereits ein eigener Schwerpunkt, in Deutschland eine stark wachsende Disziplin – auch dank der immer besser und schneller werdenden diagnostischen Möglichkeiten mit einem prozentualen Anstieg der CT- und MRT-Diagnostik um jährlich zehn bis 15 Prozent.