Hellste-Koepfe. Chancen für Frauen – Karriere in der bildgebenden Medizin.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Essay

Chancen für Frauen – Karriere in der bildgebenden Medizin Ja, Kinder und Karriere sind möglich, sagt PD Dr. med. Birgit Ertl-Wagner, 38 Jahre alt. Die habilitierte Radiologin vom Klinikum Großadern ist vor kurzem zum dritten Mal Mutter geworden.

Aus den USA stammt eine interessante Langzeituntersuchung. Man bat Frauen von den 60er Jahren an, in kurzen Zeitfenstern zu notieren, was sie den Tag über getan haben. Das Ergebnis verblüfft: Die Nur-Hausfrauen der 60er und 70er Jahre haben weniger interaktive Zeit mit ihren Kindern verbracht als die berufstätigen Mutter späterer Jahrzehnte.

PD Dr. med. Birgit Ertl-Wagner, MünchenDie Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe, soll eine ganz bewusst verbrachte Zeit sein, Quality Time. Quality Time ist bei uns zu Hause abends zwischen 17.00 und 20.00 Uhr. In dieser Zeit gibt es keine Radiologie für mich, sondern nur die Familie.

Ich wusste immer, dass ich Familie haben möchte, aber als ich 1996 vor der Facharztentscheidung stand, habe ich die Radiologie nicht primär gewählt, weil sie als familienfreundlich gilt. Damals stand die Wissenschaft im Vordergrund, und die Zeit war aufregend. Mitte der Neunziger gelangen eine Reihe technischer Durchbrüche, die das Fach bis heute dynamisch halten.

Als unser zweites Kind im Jahr 2005 geboren wurde, gab es an meiner Klinik die Möglichkeit eines teleradiologischen Arbeitsplatzes. Befunden von zu Hause aus, freie Zeiteinteilung. Das Modell hat seine Vorteile für junge Mütter, aber man darf das Arbeitspensum nicht unterschätzen. Ich habe damals auch Notfallbefundungen für die angeschlossenen Kliniken gemacht, und das Befundungsvolumen war sehr hoch, was mit Baby äußerst anstrengend war. Dennoch kann ich jungen Müttern nur empfehlen, solche Optionen zu nutzen, sie auszuprobieren. Denn der Trend zur Teleradiologie wird sich noch verstärken.

Meine wichtigste Empfehlung an junge Kolleginnen aber lautet: Vergesst nicht, Familie zu gründen. Das klingt ein bisschen komisch, aber beschreibt das Problem vieler Frauen, die sich im klinischen Alltag aufreiben und den Zeitpunkt zur Familiengründung immer wieder verschieben. Die Vereinbarung von Familie und Beruf kann klappen, wenn man sich nur traut und flexibel bleibt. Ein anderer wichtiger Punkt: Man muss wissen, wie es weitergeht. Wie lange möchte ich zu Hause bleiben? Wie geht es mit meiner Karriere weiter? Welche beruflichen Ziele habe ich?

In der Radiologie haben Frauen viele Möglichkeiten, und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann leichter sein als in anderen Fächern wie beispielsweise in der Chirurgie mit ihrem oft schlecht berechenbaren Operationsalltag. Aber auch in der Radiologie ist es nicht immer einfach. An der Spitze, in den Chefarztpositionen und Ordinariaten, finden sich nach wie vor kaum Frauen. Es gab und gibt für mich keine ausgetretenen Pfade, kaum Frauen, an denen ich mich orientieren könnte – das macht den Weg aber auch spannend.

Radiologie - Beliebt bei Mediziner mit Familienwunsch

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Facharztrichtung. Regelmäßige Umfragen unter den jüngeren Mitgliedern der Deutschen Röntgengesellschaft belegen: Neben dem breiten medizinischen Spektrum, das die Radiologie bietet, und dem Innovationspotenzial des Faches spielen geregeltere Arbeitszeiten, planbarer Arbeitsalltag und die Möglichkeit der Arbeit von zu Hause aus eine wichtige Rolle.

In den deutschlandweit rund 750 Weiterbildungsstätten der Radiologie, die an einer Befragung der DRG unter den Weiterbildern teilgenommen haben, sind von den etwa 1600 Assistenzarzt-Stellen rund 730 Frauen besetzt. Das Verhältnis Männer zu Frauen ist bei den "Anfängern" (1. bis 3. Ausbildungsjahr) nahezu ausgeglichen. Ab dem vierten Jahr kommen auf drei Assistenzärzte in der Radiologie zwei Ärztinnen. Diese Schere zeigt, dass für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch viel mehr getan werden kann.