Hellste-Koepfe. Kinderradiologie in Jena.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Kinderradiologie in Jena Eine PJ'lerin, ein sehr engagierter Professor und ein höchst interessantes Fachgebiet

von Gaby Niggenaber

„Kinderradiologie, was ist denn das?“, mag sich jetzt mancher Student fragen. Die Kinderradiologie hat große Nachwuchssorgen. Ich habe mich also zur Kinderradiologie des Universitätsklinikums Jena aufgemacht und ein Gespräch mit der PJ'lerin Hanne Kempe und Univ.-Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel geführt. Prof. Mentzel ist Leitender Arzt der Kinderradiologie in Jena.

Prof. Mentzel: „In der Kinderradiologie gibt es seit längerem Diskussionen, wie sich das Fach entwickelt, viele berufspolitische Aspekte sind zu beachten. Am Anfang brennen viele für die Kinderradiologie, das Interesse ist da; insbesondere, wenn die Studierenden das Fach „hautnah“ im Praktikum oder in einer Famulatur erlebt haben. Der lange Weg führt jedoch über die Allgemeinradiologie, nach 5 Jahren ist dann oft der Atem ausgegangen. Es wird in unserem Gebiet eine Novellierung der Facharztausbildung erwartet, vielleicht wird es einen Common trunk geben über drei Jahre, in dem alle radiologischen Verfahren durch die Ärzte in Weiterbildung trainiert werden und eine anschließende mögliche Spezialisierung über zwei Jahre in einem der Schwerpunkte der Radiologie – wie bspw. der Neuro- oder der Kinderradiologie, der Interventionsradiologie etc. Wer heute den Kinderradiologen nach 5 Jahren Facharztausbildung macht, erhält nicht mehr Gehalt, aber er hat sehr viel mehr Verantwortung und oftmals zusätzliche
Arbeit. Daher müssten auch die Berufsaussichten finanziell attraktiver gestaltet werden. Es muss ausreichend Anreiz geboten werden, sich in diesem sehr interessanten Schwerpunkt der Radiologie zu qualifizieren.

Die Vernetzung der Kinderradiologen für gemeinsame standortübergreifende Forschung und Studien erfolgt u.a. über die wissenschaftliche Fachgesellschaft – die GPR, in der Kollegen aus Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik, aber auch aus den Niederlanden und Ungarn vereint sind. Die AG Kinderradiologie in der DRG sieht ihre Verantwortung überwiegend in der Verbreitung kinderradiologischer Expertise mit Hilfe von Weiterbildungen – beispielhaft seien die „Fit-für-Facharzt-Veranstaltungen“ genannt, die mittlerweile an mehreren Orten in Deutschland erfolgreich etabliert wurden und natürlich der Deutsche Röntgenkongreß, auf dem die Kinderradiologie in mehreren Sitzungen vertreten ist. Die Unterstützung durch unsere „Muttergesellschaft“ – der Deutschen Röntgengesellschaft - ist dabei sehr wichtig für uns Kinderradiologen und wir sind sehr dankbar dafür.“

Links:
Hanne Kempe,
PJlerin in der Radiologie
des Universitätsklinkums Jena.

Rechts:

Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel,
Leiter der Kinderradiologie
am Universitätsklinikum Jena


       


Ich habe mich ebenfalls mit der PJ'lerin Hanne Kempe unterhalten, die zur Zeit ein Tertial des Praktischen Jahres in der Radiologie in Jena macht, davon einen Teil auch in der Kinderradiologie bei Prof. Mentzel.

Hanne Kempe:„Durch meine Famulatur in der Kinderradiologie habe ich Prof. Mentzel und sein außerordentliches Engagement für die Kinderradiologie kennen gelernt. Prof. Mentzel hat einen Sono-Kurs für Studenten einrichten lassen, für den ich mich gleich aus Begeisterung als Tutorin habe ausbilden lassen. Seit etwa 2 Jahren existieren in Jena an der Universität diese Sono-Kurse, die jeder Student für seine Fortbildung nutzen kann. Daraus kann ich jetzt im PJ große Vorteile ziehen, da ich vorher schon viel geschallt habe. Es ist wichtig als Anfängerin, die eigenen Grenzen zu kennen, aber dennoch beim Ultraschall gegenüber dem Patienten genügend Sicherheit und Kompetenz zu zeigen. Ansonsten hole ich mir fachärztliche Hilfe dazu.“

Hanne Kempe hat schon ihre Doktorarbeit in der Experimentellen Radiologie in Jena geschrieben und mit großem Erfolg verteidigt. Wie aber sieht es mit dem Berufswunsch aus, in welche Fachrichtung zieht es sie?

Hanne Kempe: „Ich war bis vor kurzem im PJ auf der Inneren Medizinischen Abteilung. Jetzt geht es ab Dezember ins PJ in die Radiologie, Prof. Mentzel ist PJ-Beauftragter im Zentrum für Radiologie. Das Interesse für die Kinderradiologie ist da, aber ich möchte das PJ nutzen, um die gesamte Radiologie näher kennen zu lernen, denn die steht ja 5 Jahre lang am Anfang einer Karriere als Kinderradiologin. Zudem kommen danach noch 2 Jahre Weiterqualifikation für die Schwerpunktbezeichnung dazu. In Jena rotieren die PJ' ler durch alle Bereiche der Radiologie. Da ich mir auch eine Tätigkeit in der Inneren Medizin vorstellen kann, ist das eine ideale Gelegenheit, Neigungen herauszufinden und Interessen abzuwägen.“


„Hanne, was ist es konkret, was die Kinderradiologie so interessant macht? Und was würdest Du aus Deiner Sicht als Studentin verbessern, damit dieses Fachgebiet wieder interessanter für angehende Mediziner wird?“

Hanne Kempe: Die konventionelle Radiologie allein ist nicht mein Ziel, da mir dort der Patientenkontakt fehlen würde. Der Kontakt zwischen dem Mediziner und den Eltern mit dem kleinen Patienten ist besonders intensiv. Man trägt große Verantwortung mit der Diagnose, die man den Eltern persönlich vermitteln muss. Der Kinderradiologe ist sehr häufig Erstdiagnostiker und trägt dementsprechend eine große Verantwortung. Hier in Jena arbeitet ein äußerst engagiertes und familiäres Team, dass mir schon in der Famulatur und während der Tutorien in allem hilfreich und kompetent zur Seite gestanden hat. Die Standortbindung ist auf jeden Fall größer, wenn die Entscheidung für die Kinderradiologie fällt.

Da die Kinderradiologie als Weiterbildungseinrichtung in Deutschland sehr selten vorhanden ist, sind die Arbeitsmöglichkeiten in begrenzterem Umfang an einer Klinik möglich als in der Inneren Medizin. Was man für die kleinen Patienten bewirken kann, ist in Jena enorm. Bei Kindern ist das Ultraschallgerät die Diagnostikmethode der 1. Wahl und oft braucht es gar kein weiteres Verfahren, um eine Diagnose zu stellen. Solange aber die Facharztausbildung so langwierig und kompliziert ist, wird das natürlich viele angehende Mediziner abschrecken. Da Prof. Mentzel so engagiert in der universitären Fortbildung der Kinderradiologie ist, wird man in Jena immer auf die Kinderradiologie stoßen. Vielleicht sollte man auch an anderen Universitäten im klinischen Abschnitt die Schwerpunkte der Radiologie behandeln. Auch im Abschnitt „Pädiatrie“ sollte man auf die Besonderheiten der Kinderradiologie aufmerksam machen, damit dies mehr Studenten ins Bewusstsein rückt.“


„Prof. Mentzel, was hat Sie zur Kinderradiologie bewegt?“

Prof. Mentzel: „Als Kinderradiologen arbeiten wir sehr klinisch – neben der Sonographie als Basisdiagnostik nutzen wir natürlich mit unserer Expertise alle Verfahren der Radiologie – Röntgen, Durchleuchtung, CT und MRT. Unter Berücksichtigung eines aktiven Strahlenschutzes, der im Kindesalter eine absolut entscheidende Rolle spielt, versuchen wir natürlich insbesondere mit den strahlenfreien Methoden Ultraschall und MRT zu untersuchen. Unser Bezug zu den Kindern als Patient und ihren Eltern bzw. Begleitpersonen ist größer als bei anderen Radiologen. Ein großer Schwerpunkt liegt auf dem Ultraschall, der es uns ermöglicht, während der Untersuchung auch die Anamnese zu erfahren und klinisch das Kind zu erleben. Ein kompletter Ultraschallstatus dauert so ca. 20 – 30 Minuten und auch länger, wenn komplizierte Untersuchungsbedingungen vorliegen; die Annäherung an das Kind vorher nochmals einige Zeit, bevor es die Untersuchung zulässt.

Teilweise haben die Kinder schwere Diagnosen mit jahrelanger Behandlung. Es ist verständlicherweise sehr schwierig, den Eltern bei der initialen Ultraschalluntersuchung schon die Diagnose „Krebs“ zu vermitteln, daher sind einfühlsame Gespräche nötig. Ich brauche den Patientenkontakt, eine Tätigkeit allein vor einer Workstation könnte ich mir nicht vorstellen.

„Prof. Mentzel, Sie hatten den Ruf auf Professuren für Kinderradiologie an andere Universitäten. Was macht Jena so attraktiv für Sie?“

Prof. Mentzel:“ In Jena kann ich meine Vorstellungen umsetzen und die Kinderradiologie als gesamtes Gebiet der Bildgebung im Kindesalter von der fetalen MRT bis zur Bildgebung des Adoleszenten ausbauen. Der uneingeschränkte Zugang zu allen Modalitäten und die Untersuchung aller Organsysteme von der „Locke bis zur Socke“ machen Jena als Standort für die
Kinderradiologie sehr attraktiv. Gleichzeitig kann ich mit der Professur das Fach akademisch vertreten und den Studierenden näher bringen.

Vor 3 Jahren haben wir die Radiologie mit Kinderradiologie als Wahltertial im Praktischen Jahr an der Universität Jena eingeführt. Über Vorlesungen, Praktika, Ultraschallkurse und Famulaturen gelingt es zunehmend besser, das vielen Studierenden früher unbekannte Fach Radiologie bekannt zu machen. Die Bemühungen um die „Köpfe“ sind vielfältig – aber auch alle anderen Fächer haben Nachwuchssorgen. Zur Attraktivität einer Ausbildungseinrichtung zählen heute neben der selbstverständlichen materiellen Ausstattung insbesondere fachliche Kompetenz, Respekt und Vertrauen. Am Universitätsklinikum in Jena habe ich sehr gute Forschungsbedingungen: ein Schwerpunkt liegt auf der prä- und postnatalen Entwicklung des ZNS sowie der urogenitalen Entwicklung und deren Störungen beim Feten und Neugeborenen.“

Zudem hat in Jena das Universitätsklinikum im Oktober 2012 eine extrem teure Besonderheit gekauft, die Jena auch künftig zu einem attraktiven Standort der Kinderradiologie macht und mit der man die Herausforderungen bei sehr kleinen Frühgeborenen noch besser meistern kann: Ein MR-tauglicher Inkubator einschließlich spezieller kleiner Spulen für die Untersuchung des Kopfes und des Körpers. Das Frühgeborene kann so auch während der MRT im Inkubator verbleiben, was es so nur in 3 Einrichtungen gibt.

Ideale Voraussetzungen also für Professor Mentzel und die Universität Jena, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Zeit für die PJ'lerin Hanne Kempe, um ihre Berufswünsche und ihren Zwiespalt zu überprüfen, ob der Weg zur Kinderradiologin der richtige ist.

Die Kinderradiologie der Universitätsklinik Jena im Netz:

http://www.idir.uniklinikum-jena.de/kinderradiologie.html

 

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